Das beste Soft-Eis in Saguenay

Es gibt eigentlich keinen Grund, einen Blogeintrag über Saint-Honoré zu schreiben. Das 5000-Seelen-Kaff besteht – ganz nordamerikatypisch – aus einer Hausansammlung rund um die Landstraße ins zehn Autominuten entfernte Chicoutimi.

Wahrscheinlich würden Bewohner des Nachbardorfes Saint-David-de-Falardeau so schnell wie möglich hindurchfahren, um nach  Chicoutimi zu kommen. Dort immerhin gibt es mehrere Straßen, Restaurants und zivilisationsverheißende Shopping-Malls. Nun aber gehört die “Crème Molle”, frankokanadisches Softeis, zu einer beliebten Nachspeise nach dem sonntäglichen Steak. Und in Saint-Honoré gibt es den besten Crème-Molle-Laden – den besten in der Region Saguenay, ja gar den besten in ganz Québec, wie viele sagen.

Und tatsächlich – wann auch immer wir durch Saint-Honoré hindurch nach Chicoutimi fahren, es steht immer eine Softeis-hungrige Menschenschlange vor der “Bar Laitier Arc en Ciel”. Québecs beste Crème Molle? Das schreit nach einem Selbstversuch! An diesem Abend geht die Sonne langsam hinter den mit weiß angestrichenem Holz vertäfelten Häusern unter. Es sind nur ein paar Wolken am Himmel. Ich schieße ein paar Touristenfotos von der Landstraße und dem Crème-Molle-Laden. Irgendwie ist es romantisch hier, in diesem gottverdammten Kaff. Der kanadische Himmel sieht noch viel größer aus als daheim in Berlin.

Für die beste Crème Molle in Saguenay muss man Schlange stehen

Er habe seine  “Bar Laitier” vor 28 Jahren gebaut, erzählt der Besitzer, ein stämmiger, kleiner Mann um die 50. Er ist sichtlich stolz. “Vorher war hier nichts, nur die Landstraße.” Mit ihm schuften sein Sohn und eine junge Angestellte in dem geschätzt acht Quadratmeter großen Kabuff. Eine Familie kommt – die Kleinen quängeln. Dieses Mal wollen sie aber eine ganz große Crème Molle. Mit Kirschglasur und Zuckerperlen.

Ich bestelle eine Schokoladen-Crème-Molle mit Ahornsirup-Glasur. Wenn schon, dann aber denn schon. Auf Kalorien und auf einen drohenden Bauch-Schwimmring, der sich, wenn ich so weitermache, mit Sicherheit ankündigen wird, noch bevor mein Kanada-Urlaub zu Ende ist, achte ich jetzt mal nicht. Auswählen kann man hier unter den unterschiedlichsten Softeisgrößen und -glasuren: Vanille, Schoko, Erdbeer, Kirsch, Ahornsirup. Ich beiße in die süße Ahornkruste und schmecke sofort die kalte, sahnige, schokoladige Verführung. Hmmm. Das muss wohl der Crème-Molle-Himmel sein.

Ein paar Tage später machen wir Halt an einer anderen Softeisbude irgendwo in Chicoutimi. Der Vergleich muss her – habe ich doch seit meinem Softeis-Delirium in Saint-Honoré extrem hohe Ansprüche. Hier kann man nur zwischen Schokoladenglasur und Schokoladenglasur wählen. Dafür gibt es neben Crème Molle auch Mango- und Himbeersorbet. Na ja, das kann ich auch in Berlin-Prenzlauer Berg haben. Ich bestelle eine kleines Softeis. Probiere. Bin enttäuscht. Es stimmt: Das Softeis von Saint-Honoré ist wirklich das Beste in Saguenay.