Tausche Schnorchelbrille gegen Schal und Mütze

Hier sitze ich, zitternd und bibbernd, mit Wollschal und einer heißen Tasse Tee in den Händen, um ein bisschen Wärme in meine taub gefrorenen Knochen zu bringen. Draußen ist es grau und dunkel, es sieht aus wie in einem schwarz-weiß-Film. Vor wenigen Tagen noch war die Welt warm, bunt, roch und schmeckte exotisch. Gibt es einen größeren Kontrast zwischen heiß und kalt, bunt und schwarz-weiß? Ende Januar ist gewiss keine ideale Zeit, um Asien zu verlassen und nach Berlin zu kommen. Aber es ist zu Hause. Und es tut gut, wieder zu Hause zu sein.

Die letzten Tage vergingen, ohne dass ich auch nur Zeit hatte, nach rechts und links zu schauen. In Langkawi konnte ich meine Finger nicht von einer großen, aber wohl nicht ganz einwandfreien Portion Vanilleeis mit Ananaskompott lassen und lernte deshalb ein malaiisches Krankenhaus von innen kennen. Danach gab es nur noch “Western Food” – Pizza, Sandwich, trockener Toast – und “Teck aun Chi-Kit”- Pillen, chinesische Medizin gegen Magenprobleme aller Art. Ich war erste Ansprechpartnerin und Liebesberaterin für eine deutsche Touristin, die sich in einen mit ihr reisenden Iren verguckt hatte. Früh morgens wurde ich von den Streitereien zwischen dem iranisch-japanischen Paar geweckt, denen das Guesthouse gehörte, in dem ich meine Magen-Wehwehchen auskurierte. Die Tage verbrachte ich entweder am Strand oder auf dem Fahrrad, um die Insel zu erkunden. Den Tourismus nahm ich gelassen hin – das “echte” Thailand hatte ich ja schon in Bangkok, das “echte” Malaysia in Melaka erlebt.

Von Langkawi nach Penang nahm ich die Fähre. Ein letztes Mal Meer, ein letzter Sonnenuntergang. In Penang beherbergte mich Jonathan, ein Freund von einem Freund von einem Freund in Singapur. Wie schon in Bangkok wurde ich auch hier herumkutschiert, in einem klimatisierten Citroen. Jonathan und seine Freunde ließen mich penang-typische Gerichte probieren, die in mir sowohl Würggefühle als auch genießerisch geschlossene Augen hervorriefen. Mit prallgefühlten Bäuchen erkundeten wir dann die Stadt, ihre Tempel, Moscheen, Kirchen. Nach einem Ritual in einem buddhistischen Tempel erfuhr ich Interessantes über meine Zukunft. Hunderte von roten und gelben chinesischen Lampions hingen bereits an den Tempelfassaden – für das chinesische Neujahrsfest Anfang Februar.

Die Insel Penang präsentierte sich mir dabei stark chinesisch geprägt – auch wenn in der Stadt ebenfalls Malaien zu Hause sind und man noch heute die portugiesischen, indischen, britischen und niederländischen Einflüsse spüren kann. Als wir gerade zum nächsten Restaurant fahren wollten, damit ich “Chicken-Skin” probieren kann, stießen wir auf eine hinduistische Prozession direkt am Wasser – zwischen modernen Gebäuden und Straßenverkehr feierten malaiische Hindus Pongal, das indische Erntedankfest. Und doch überwogen die Chinesen – mit ihren Tempeln, ihrem Essen, ihren Lampions in den Straßen.

Genau eine Woche später sitze ich an meinem Schreibtisch in Berlin. Und Singapur, Malaysia und Thailand sind fast 10.000 Kilometer entfernt. Luftlinie. Drei unvergessliche Monate – vorbei. Also tausche ich meine Schnorchelbrille gegen Schal und Mütze, und meine Sommerkleider gegen einen dicken Wintermantel. Ich lasse Tempelrituale, Thai-Musik und Chicken Rice in Asien zurück, freue mich stattdessen auf Familie, Freunde und Müsli zum Frühstück. Noch aber brauche ich Zeit, um anzukommen. In meinem Kopf bin ich gerade in Asien. Ob ich wiederkomme? Bestimmt. Irgendwann.