Auf welcher Insel liegt das Paradies?

Insel-Hopping: Koh Sukorn, Koh Libong und Koh Kradang in einer Woche. Die Mission: Wo gibt es den feinsten Sandstrand, das tuerkiseste Meer, die gruensten Palmen, die wenigsten Touristen und die nettesten Menschen? Es gibt keine Gewinnerin – alle drei Inseln sind bezaubernd schoen, jede auf ihre Weise.

Das erste Paradies finde ich aber auf Koh Sukorn, die suedlichste der Inseln in der thailaendischen Provinz Trang. Laut Lonely Planet heisst “Sukorn” Schwein, irgendwie ironisch, da doch eine muslimische Gemeinde die Insel ihr Zuhause nennt. Auf dem Weg dorthin treffe ich ein finnisches Paerchen und wir sind die einzigen neuen Touristen an diesem Tag. Zwischen Plastiktueten, abgewetzten Kisten und laechelnden Thais werden wir auf ein kleines, bunt angemaltes Longtail-Boot verfrachtet, und schippern gemaechlich gen Westen, gerade auf die Insel zu. Ein hoeflicher Taxifahrer bringt uns auf einem abenteuerlichen Gestell, welches er an sein klappriges Motorrad gebastelt hat, in unsere Herberge – eine Oase aus Holzhuetten, Palmen, Grillen, quakenden Froeschen und Wasserbueffeln auf dem gegenueberliegenden Feld. Beim Abendessen schauen wir direkt auf das Meer und die Sonne versinkt darin. Den Strand haben wir fast fuer uns allein.

Tagsueber lesen wir Liebesromane und beobachten die Krebse am Strand. Ich lerne mehr Finnisch als Thai. Das Dorf ist noch so wenig an Touristen gewoehnt, das jeder Fremde auf der Strasse aufmerksam beobachtet und gegruesst wird. Das Leben ist gemaechlich und selbst die Hunde lassen sich bei Ueberqueren der Strassen Zeit. Als ich einen Moment stehen bleibe und ein wenig ratlos in meinem Rucksack krame, spricht mich eine junge Frau an. Sie kann kaum Englisch, nimmt mich aber kurzerhand auf ihrem Motorrad mit, zeigt mir stolz ihre 11-Monate-alte Tochter, ihr Haus, dann die ganze Insel. Am Nachmittag verabschieden wir uns und sie schuettelt den Kopf, als ich ihr etwas zu Trinken kaufen will. Ob es in Deutschland gerade schneit, will sie wissen.

So fliessen die Tage dahin. Abends schluepfe ich um zehn unter mein Moskitonetz und wache am naechsten Morgen um acht auf, hellwach. Koh Libong ist groesser, irgendwie wilder als Sukorn. Das Wasser ist klar und die Straende sind golden. Die Finnin nimmt mich mit auf eine Schnorcheltour, und so fuehle ich mich einen Tag lang wie ein grosser, weisser Wal in einem Riesen-Aquarium. Die Welt unter Wasser ist so viel bunter. Es sieht genauso aus wie im Film “Findet Nemo”. Mittags machen wir Rast auf Koh Kradang, ebenfalls eine der gefuehlt hundert Inseln im Andamanen-Meer. Es gibt Fried Rice in Styropor-Behaeltern, der Steuermann haelt ein Nickerchen auf dem Bug seines Bootes. Waehrend ich esse, bohren sich meine Fuesse tief in den weissen Sand. Irgendwo faellt eine Kokosnuss ins Wasser. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch hier Resort an Resort reiht. Und die Touristen kommen.

Seit gestern abend bin ich in Langkawi, Malaysia. Die Insel ist gross, und ein beliebtes Urlaubsziel sowohl bei Europaeern als auch Asiaten. Es gibt Hotels statt Bambushuetten und Pizza statt Pad Thai. Ein braungebrannter Malaysier im Bob-Marley-T-Shirt gruesste mich vorhin am Strand mit den Worten: “Hello, Miss. Welcome to Paradise!” Das Paradies aber habe ich schon woanders gefunden.