Mamma Mia in Bangkok

Wie kommt man zu seiner ersten, richtigen Thailand-Erfahrung? Richtig: Man bleibt vier Tage lang bei einer Thai-Familie in Bangkok. Dank erfolgreicher Vermittlungskuenste eines Singapurer Freundes lernte ich fuer eine kurze Zeit echten thailaendischen Alltag kennen – Neujahrsstress, Verstaendnisprobleme, scharfe Suppe mit fettigem Fleisch zum Fruehstueck und Gastfreundschaft hoch drei inklusive.

Wie ich dabei Bangkok erlebt habe? Vermutlich durch die eingefaerbte Brille einer behueteten Touristin, die von ihren Gastgebern, thailaendische Mittelklasse, behandelt wurde wie die Koenigin von Siam. Trotz der vielen Arbeit im familieneigenen Drucker-Geschaeft liess man mich keine Sekunde aus den Augen – ich wurde im klimatisierten Toyota durch halb Bangkok und bis nach Ayutthaya kutschiert, sah dabei in der Sonne funkelnde, riesige Tempel, den dreckigen Chao Phraya Fluss; trank die kalte Milch einer gerade aufgeschlagenen Kokusnuss und bewunderte die alten Ruinen der einstigen Hauptstadt Thailands bei Sonnenuntergang. Die rostigen Wellblechhuetten, die an den Betonwaenden in der Naehe des Bahnhofs klebten, immernoch halb ueberschwemmt vom Hochwasser der vergangenen Monate, bemerkte ich erst bei meiner Weiterfahrt mit dem Zug nach Trang.

Vom Auto aus flitzten die engen Gassen Chinatowns, das Gewusel in den Strassen, die suesslich-schweren Gerueche, der Muell in den Hinterhoefen, das Vibrieren Bangkoks viel zu schnell an mir vorbei.  Und damit ich mich bei all den fremden Eindruecken etwas heimischer fuehle, toente vorrangig Abba aus dem Autoradio. Bangkok-Sightseeing, untermalt mit Mamma Mia: Etwas Skurilleres haette ich mir in diesem Moment nicht vorstellen koennen.

Abends lies man mich dann saemtliche thailaendische Speisen probieren – mein schuechterner Hinweis, ich reagiere allergisch auf Schaerfe und esse weder Fisch noch Krabben oder Krebse,  nahm die Familie derart ernst, dass es von nun an nur noch Extrawuerste fuer mich gab: Pad Thai ohne Schrimps, Thai-Curry ohne Chili. Am letzten Tag machte mir der Sohn gar einen grossen Teller Spezial-Sushi: Mit Schinken und Senf anstatt rohem Fisch. “So esst ihr das in Deutschland doch”, sagte er. Ich bedankte mich mit hausgemachtem Apfelpfannekuchen, der erst kritisch beaeugt, dann aber begeistert verzehrt wurde.

Insofern war die Zeit in Bangkok vielleicht doch keine “richtige” Thailand-Erfahrung. Oder vielleicht doch? Laender haben viele verschiedene Gesichter. In Bangkok habe ich ein Gesicht von Thailand kennengelernt, eines von vielen. Und es war unbeschreiblich schoen! 20 Stunden und eine Nacht im Zug spaeter sitze ich in Trang, wartend auf die Faehre nach Koh Sukorn. Mit jeder Menge Bangkok-Erinnerungen im Herzen und einem Laecheln auf den Lippen.