Insel ohne Inspiration

Was soll ich dir von Phuket erzaehlen? Noch nie hat mich ein Ort so wenig zum Schreiben inspiriert. Ein komisches Gefuehl. Woran liegt das? Es koennen nicht die Straende sein, wunderschoene Straende mit dem feinsten Sand, dem klarsten Wasser und den gruensten Palmen. Langsam bohre ich meine Zehen in diesen Sand, warte, bis herankommende Wellen mit Badewannentemperatur meine Fuesse umspuelen. Ich spuere die heisse Sonne auf meiner Haut und erahne einen ersten Sonnebrand auf meiner Nasenspitze.

Nein, der Strand ist nicht der Grund fuer meine schreiberische Ratlosigkeit. Es koennen auch nicht die vielen netten Thais sein, unheimlich nette Menschen, immerzu hoeflich und zuvorkommend. Sei es der Taxifahrer, mit dem ich mich mit Haenden und Fuessen ueber thailaendische Rockmusik unterhalte oder die beiden jungen Frauen aus dem Guesthouse, die extra fuer uns “Westler” rote Nikolausmuetzen gekauft haben, obwohl sie Buddhisten sind und kein Weihnachten feiern.

Es sind die Touristen. Und es ist das, was sie aus dieser wundervollen Insel gemacht haben: Den Ballermann Thailands. Eine Spiel-, Party- und Sexhoelle, in der ein durchschnittlicher Pauschaltourist ohne Probleme drei Wochen zubringen kann, ohne Thailand auch nur ansatzweise kennengelernt zu haben. Es sind die vielen arroganten Touristen am Strand von Patong, halbnackt und ungesund gebraeunt. Sie behandeln die Thais, die alle zehn Minuten vorbeikommen und den Sand von ihren oeligen Liegen fegen, respektlos und von oben herab. Sie interessieren sich fuer nichts anderes als fuer den aktuellen Braeune-Grad ihrer Haut und die Qualitaet des Wassers in ihrem Fuenf-Sterne-Pool ein paar Meter vom Strand entfernt.

Und ich merke, dass, je laenger ich auf dieser Insel bleibe, ebenso arrogant werde wie alle anderen. Ich bin eben auch nur ein Tourist. So ertappe ich mich bei einer Alle-Inseln-an-einem-Tag-Tour, unter anderem zur Nachbarinsel Ko Phi Phi (hier drehte Leonardo Di Caprio fuer so ‘nen Strandfilm), wie ich mich ueber die Hitze der Sonne, die Schaerfe des thailaendischen Essens und und das stressige Tagesprogramm beschwere – den mit Abstand schoensten Strand vor Augen und ein erfrischendes Stueck Wassermelone im Mund.

Ein netter Kanadier, den ich vorhin im Hostel traf, kommentierte mein Phuket-Resuemee folgendermassen: Schoene Orte wollen halt alle Menschen sehen. Und du kannst nicht erwarten, dass Thailand immernoch so ist, wie es war, bevor der Massentourismus kam.

Deshalb habe ich meinen Reiserucksack gepackt. Morgen nehme ich den Nachtbuss, 12 Stunden Fahrt liegen vor mir. Ich kann es nicht erwarten. Jetzt bin ich gespannt auf Bangkok.