Und, was isst du am liebsten?

Wenn man in Singapur neue Leute kennenlernt, dann spricht man, sobald sich das Thema “Shoppen” erschöpft hat, übers Essen. Kennst du schon das neue Restaurant in der Cathay-Mall? Welches Hawker Centre gefällt dir besser: Das in der Adam Road oder das beim Newton Circus? Ich mag ja die malayisch-chinesische Peranakan-Cuisine lieber als die Italienische. Und du?

Deshalb geht es in diesen Blogeintrag – so richtig singapurisch – um’s Essen. Nur um’s essen, denn kochen tut der gemeine Singapurer nicht. Wozu gibt es denn die Hawker Centres, kleine bis große Essenshallen, in denen im wilden “Singlish” gestikulierende Chinesen versuchen, dir ihre billigen Speisen zu verkaufen, sobald du nur eine Sekunde vor ihrem Stand stehenbleibst und dich noch fragst, was eigentlich “Wantons” sind?

Kulinarische Vielfalt: malaiisch-chinesisch oder indisch mit viel Chilli?

Ein Hawker Centre ist eine tolle Erfindung: Man geht hinein, läuft gefühlt eine Stunde lang von Stand zu Stand und kann sich nicht entscheiden, was man essen soll. Schließlich bleibt man doch beim “Haianese Chicken Rice”-Stand stehen, dem Singapurer Nationalgericht, bestehend aus gekochtem Hühnchen in Sojasauce, Reis, Gurken und so ‘nem Hong Konger Gemüse. Man geht mit seinem Hühnchen durch die engen Sitzreihen, setzt sich an einen der Plastiktische und isst. Dabei beobachtet man entweder seine Mitesser am Nebentisch, wie sie, laut schlürfend, ihre Suppe mit Stäbchen in sich hineinlöffeln, oder zwei sich streitende Fruchtsaftverkäufer, die beide von sich behaupten, den besten Mango-Sternfrucht-Saft im Hawker Centre zu mixen.

Die Gerichte kosten zwischen drei und vier Singapur-Dollar, das sind umgerechnet 1,50 bis zwei Euro. Ein halber Liter frisch gepresster Saft kostet 80 Eurocent. Ein Mekka für alle Feinschmecker und trotzdem wenig-Geld-für-Essen-Ausgeber!

Die Singapurer sind stolz auf ihre kulinarische Vielfalt. Bleiben die verschiedenen Volksgruppen – Chinesen, Malaysier, Inder, Araber, Europäer – im Alltag eher unter sich, so vermischt sich beim Essen chinesisches Süß-Sauer mit indischer Schärfe und malayisches Nasi Lemak (Reis in Kokosnussmilch) mit thailändischer Fischballsuppe.

Desserts sind meist grell eingefärbt und schmecken nach Kokosnuss und Zuckermais

Im übrigen ist Seafood der große Renner. Noch vor Hühnchen. Dazu ein kurzes Gespräch zwischen mir und einem singapurer Freund, der mich neulich, was auch sonst, zum Essen in ein Restaurant einlud:

Er: So, what do you like to eat?

Ich: Everything except seafood.

Er: Oh, really? Why?

Ich: Because I don’t like it.

Er: Ok, no problem. We’ll order prawns (=Krabben) instead.

An diesem Abend habe ich, aus Höflichkeit und trotz Fisch-Trauma, ein paar Krabben gegessen. Mit viel Eistee und Mee-Nudeln ging es!

Zu jedem Mahl gehört auch in Singapur ein Dessert. Diese sind meist puddingartig und neonfarbig und schmecken nach einer Mischung aus Kokosnuss und Zuckermais. Nach Bedarf werden sie mit babyblauen, essbaren Perlen dekoriert und auf Wassereis serviert, eine herrliche Erfrischung bei der Hitze! Einzig und allein der Sojapudding wird nicht grell eingefärbt – er erblasst neben all den leuchtenden Perlen, Wackelpuddings und anderen undefinierbaren Gelees und wirkt, irgendwie, unnatürlich.

Vor ein paar Tagen schlug ein deutscher Landsmann spontan vor, für unseren singapurer Freund gut deutsch-bürgerlich zu kochen, worauf dieser mit fast kindlicher Begeisterung reagierte. Auch ich freute mich tagelang auf Geschmäcker aus der Heimat, “vernünftiges” Essen ohne Lebensmittelfarbe, Chilli und sonstigem Tüdelitü. Wir kochten Kartoffeln und brieten diese mit viel Butter und Zwiebeln in einem zu kleinen Topf an. Dazu gab’s Schnitzel. Ein bisschen ratlos schaute unser Gast uns an: “Wo sind denn die Saucen für das Fleisch?”, fragte er. Schließlich griff er nach seiner Soja-Chilisauce und besprenkelte damit sein Schnitzel. Daraufhin mochte er unser Essen. Wir sollen bald wieder für ihn kochen, hat er gesagt.