Nasenspray für Singapur

Nächste Woche geht’s los nach Singapur. Draußen peitscht der Regen gegen das Fenster, und ich bin dabei, Sommerklamotten in den Koffer zu packen. Ein Freund, der im Juli geschäftlich im Stadtstaat unterwegs war, riet mir, am besten auch noch Nasenspray und Halstabletten mitzunehmen. “Wieso?” fragte ich, noch vorfreudig auf tropisch heißes Klima und mit der Aussicht, mich vor dem Winter in Deutschland zu drücken. “Klimaanlagen”, antwortete er. Die gesamte Insel sei klimatisiert, teilweise so, dass es in den Bürohäusern, Hotels und Shopping Centern nur halb so warm sei wie an der frischen Luft.

Also liegen auf dem Berg von Sommerkleidung, Sonnencreme und Sonnenbrille ein Fläschchen Otriven, Halspastillen und drei Packungen Taschentücher. Als ob es das nicht alles auch in Singapur gäbe.

Es fällt mir schwer, mich auf diese Reise vorzubereiten. Wie soll man sich denn auf etwas vorbereiten, wenn man gar nicht weiß, was einen erwartet? Laut Freund werde mich in Singapur nichts überraschen, da dort alles durchgeplant und perkekt organisiert sei. Nichts sei mehr natürlich in Singapur, selbst unschuldige Fliegen würde sofort mit Insektenmitteln der Garaus gemacht. Berlin, so fuhr er fort, sei damit verglichen chaotisch. Eine Bekannte aus Schulzeiten schwärmte dagegen vom Multikulti in Singapur, ein anderer von der perfekten Lage, um nach Malaysia und Indonesien zu reisen.

Tiziano Terzani, der mittlerweile verstorbene  italienischer Journalist und ehemals Asien-Korrespondent für den Spiegel, schrieb in seinem Buch Fliegen ohne Flügel zu Singapur: “Die ganze Insel lag wie unter einer riesigen Glasglocke, unter der ein künstliches und effizientes Leben gedieh, das mit der Natur, die sie umgab, mit der Hitze des Äquators nichts mehr zu tun hatte.”

Erwartet mich also ein konsumdurchtränktes, mit Pestiziden steril gehaltenes, kulturloses Land? Oder finden sich neben den Wolkenkratzern und künstlichen Parks kleine, bunte Nischen? Ich werde dies wohl erst beantworten können, wenn ich dort bin. In vier Tagen geht’s los.